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Finale Modellprognose: SPD knapp stärkste Kraft, komplizierte Koalitionsmehrheiten

In 7 Tagen wählt Deutschland einen neuen Bundestags. Eine Woche vor dieser spannenden Wahl gibt es ein neues und letztes Update der Modellprognose. Ab jetzt heißt es dann gespannt Abwarten auf die Ergebnisse und Hochrechnungen am 26.09. um 18 Uhr.

Zum ersten Mal hat nun die SPD die Union im Modell leicht überholt. Insgesamt liefern sich die beiden Volksparteien allerdings ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den stärksten Platz. Die Grünen legen deutlich zu im Vergleich zum letzten Wahlergebnis; zweitstärkste Kraft werden sie allerdings nicht mehr. Damit dürften auch die Kanzlerträume von Annalena Baerbock vorerst ausgeträumt sein.

Ebenfalls leicht zugelegt hat die AfD im Vergleich zur FDP. Aktuell ist es wahrscheinlicher, dass die AfD viertstärkste Kraft wird. Sicher kleinste Partei wird die Linke, die durchaus auch noch an der 5%-Hürde scheitern könnte. Mit 3 recht sicheren Direktmandaten aus Berlin wird die Linke allerdings sehr wahrscheinlich in jedem Fall wieder im Bundestag sitzen, dank der Grundmandatsklausel.

Im Vergleicht zur Bundestagswahl 2017 drohen der Union hohe Verluste von ca. 9%-Punkten. Auch die AfD und die Linke werden wahrscheinlich leicht verlieren. SPD, Grüne und FDP dürfen auf Zugewinne hoffen. Während die SPD mit ca. 3,5%-Punkten ihr Ergebnis stabilisieren kann, werden die Grünen ihr Ergebnis um wahrscheinlich ca. 6,7%-Punkte fast verdoppeln können.

Ein Blick auf mögliche Koalitionen zeigt ein sehr kompliziertes Bild. Während eine Mehrheit für rot-rot-grün, eine Ampel und eine große Koalition deutlich wahrscheinlicher geworden ist, haben Dreierkoalitionen unter Führung der Union weiterhin eine sichere Mehrheit. Da in einer Woche nur Parteien, nicht aber der Kanzler gewählt wird, ist es keineswegs sicher, dass Olaf Scholz der nächste Bundeskanzler wird. Es bleibt spannend, ob rot-rot-grün eine rechnerische Mehrheit erhalten wird und ob dann Koalitionsverhandlungen begonnen und erfolgreich abgeschlossen werden. Mit neuen Bedingungen der FDP für ein Ampelbündnis dürften die Möglichkeiten für eine SPD-geführte Bundesregierung nicht gestiegen sein.

Insgesamt zeigt sich, dass die neuen Mehrheitsverhältnisse im Bundestag keine einfache, klassische Regierungsbildung zulassen werden. Alle Parteien müssen ggf. mehr Kompromisse machen, als in vergangenen Koalitionsbildungen. Deutschland könnte erstmalig auch von einer Dreierkerkoalition regiert werden. Im europäischen Vergleich sollte dies allerdings nicht beunruhigen. Viele andere europäische Staaten werden seit vielen Jahren von Dreierkoalitionen und größeren Bündnissen regiert. Deutschland könnte hier, etwas verspätet, einem europäischem Trend hin zu einer diverseren Parteienlandschaft folgen.

KoalitionWahrscheinlichkeitTendenz
Große Koalition (Union + SPD)81%
Schwarz-Grün (Union + Grüne)0%
Ampel (SPD+FDP+Grüne)97%
Jamaika (Union+Grüne+FDP)96%
Deutschland (Union+SPD+FDP)100%
Kenia (Union+SPD+Grüne)100%
R2G (SPD+Linke+Grüne)59%
Schwarz-Gelb (Union + FDP)0%

Wahlkreise und Direkmandate

Ein Blick auf die Erststimmenprognose zeigt, dass sich die SPD leicht verbessern konnte. Selbst einige Wahlkreise in Baden-Württemberg könnten nun auch von der SPD gewonnen werden. Die Union ist lediglich in Bayern und Teilen von Baden-Württemberg noch eine wirklich sichere Bank für Direktkandidaten. Die Schwäche der Union eröffnet der AfD in Sachsen Chancen auf deutlich mehr Direktmandate. Hier gewinnt die AfD allerdings nur relativ, da ihr Ergebnis insgesamt sogar leicht schlechter ausfallen dürfte als 2017.

Evaluation des Modells

Eine Woche vor der Wahl ist nun die Modellprognose abgeschlossen. Ich bin gespannt, wie das Modell im Vergleich zum tatsächlichen Wahlergebnis abschneiden wird und welche Erkenntnisse daraus gezogen werden können. Die Modellevaluation wird dann ebenfalls zeitnah nach der Wahl diskutiert.